Nur zu Besuch
Gestern war ich zu Besuch auf meiner "alten" Arbeitsstelle vielmehr in der neuen Zweitfiliale, welche es seit Oktober letzten Jahes gibt.
Ich hatte Glück! Meine liebe Kollegin war da und sogar mein Chef. Beide sind sonst meist im Hauptgeschäft. Aber die leitende Mitarbeiterin ist für ein paar Tage auf Dienstreise...
Mein Chef begrüsste mich freudig und verschwand dann wieder zu seinem Termin in die Anpasskabine. Mit meiner Kollegin konnte ich ein bisschen über alte und neue Zeiten plaudern, da es gerade ruhig war.
Was sie mir jedoch über die "neuen" Zeiten erzählte, begann nach wenigen Sätzen alte Dämonen von mir herauf zu holen. 😨 Die neue Kollegin hat sich offenbar im vergangenen halben Jahr als kontrollsüchtiges und zwanghaftes "Problem" entpuppt... ALLES ist vorgeschrieben - alles! Was zu tun ist muss mit Edding auf einer laminierten Liste mit Datum und Signum abgehakt werden. Macht Sinn?! Kann sein... aber nicht mehr, wenn es darum geht, welche Pflanze wann und wie gegossen werden soll (zumal das Ergebnis eindeutig den grünen Daumen schwer beleidigt)! Zu "ihrer" Verteidigung muss ich sagen, dass sie lange Zeit bei Großfilialisten gearbeitet hat und davon die meiste Zeit als Filialleitung. Bei den Großanbietern IST JEDER Handgriff vorgeschrieben. Das reicht von sinnvollen Feldern (Wie öffne ich ein Paket? -> Cuttermesser immer vom Körper weg bewegen) bis zu sinnfreien Feldern... Damit möchte man absichern, dass mit dem Einsatz von mgl. wenig Mitteln und wenig Zeit maximale Umsätze erzielt werden. In einem solchen System zu arbeiten macht (jedenfalls mir) keinen Spaß. Es lässt keinen Raum für das, was diesen Job eigentlich zur puren Freude werden lässt: Mit dem Kunden gemeinsam in Ruhe eine individuelle Hörlösung für seine akustischen Alltagsprobleme zu erarbeiten. Stattdessen "verordnet" es eine mgl. teure "Husch-husch-Versorgung" mit Geräten aus einer stark eingegrenzten Palette, für die der Großanbieter riesige Rahmenverträge bei ein oder zwei Hörgeräteherstellern abgeschlossen hat. Wenn ich dauerhaft solche Lösungen als "sehr gut" verkaufen soll, kann ich auf der moralischen Seite jedoch morgens nicht mehr in den Spiegel schauen!
Kurzum - schon bei der Eröffnung letztes Jahr wurde mir klar, dass sie eigentlich nicht so gut in unser Team passt. Aber ich bin ja raus und es geht mich nichts an. Außerdem hatte sie eigentlich vor, in diesem Geschäft ganz allein zu arbeiten. Mittlerweile ist es ihr offenbar doch lieber, Unterstützung zu haben. Und jede, die als solche mit ihr zusammen arbeiten soll, wirft nach wenigen Tagen das Handtuch...!
Meine Ausbilderin Mitte/ Ende der 90-er war auch so. Penibel. Überkritisch. Selten mal lobend. Hattest Du alles auf Vordermann gebracht - geputzt, aufgeräumt, sortiert - wischte sie oben auf dem Türrahmen lang und fand etwas Staub. DER machte dann alles, was gut war Null und nichtig. Du und Deine Arbeit waren nichts mehr wert!
Beim nächsten Mal hast Du natürlich auch an ALLE Türrahmen gedacht! Das muss auch ihr klar gewesen sein. Dann fand sie eben IHREN Staub auf der Fussbodenleiste oder weiß der Geier wo... Das EINZIGE, auf das ich mich IMMER verlassen konnte, war: Es nicht gut genug gemacht zu haben - und damit schlecht! Es war Willkürherrschaft und ich habe die drei Lehrjahre und drei Gesellenjahre sehr darunter gelitten. Es war von vorn bis hinten Dienst nach Vorschrift. Freie Entfaltung und Entwicklung wurde schon im Keim erstickt. Kreativität hatte erst recht keinen Raum. Individualität?! - Was ist denn das?!?
Als ich dort weg war, war mir klar -> SO möchte ich nie wieder arbeiten müssen!
In meiner alten Firma war daher oberstes Credo: Das Team muss gut zusammenpassen, denn von der Harmonie im Team profitieren alle. Am Ende profitiert sogar das Geschäftskonto davon. Der Erfolg gab uns recht. Kunden kam aus ganz Sachsen und teilweise sogar von weiter her aus dem ganzen Land. Über Jahre haben wir keine Werbung gemacht, weil wir sie uns schlicht nicht leisten konnten! Werbung hätte bedeutet, noch mehr Kunden in den Laden zu bekommen, welche wir nach unseren Maßstäben aber nicht mehr hätten zufrieden stellen können. Punkt.
Ein Hoch auf gutes Miteinander im Team!!!